Statt Studentenleben, Unternehmensgründung zur Zeit des Jugoslawienkriegs – Biljana (Podgorica / Montenegro)

 

Unglaublich wie die Zeit verfliegt. Viele verschiedene Länder haben wir besucht, schöne Orte gesehen, Neues gelernt und tolle Menschen kennengelernt. So auch in Montenegro vor einigen Wochen.

Da es ein sehr heißer Tag war, haben wir kurzerhand beschlossen, an einem Stausee Halt zu machen. Nach ausgiebigem Schwimmen sind wir auf den Weg zurück zu unserem Van an einer Gruppe von fröhlichen, lachenden Leuten vorbeigekommen. Ein Lächeln unsererseits später, sind wir schon eingeladen worden, mit ihnen zu essen.

Bildschirmfoto 2017-09-15 um 07.44.26

Es hat sich rausgestellt, dass es drei Familien sind. Auch sie hatten die Idee, ins kühle Nass zu flüchten. Eigentlich leben sie alle in Podgorica, doch zum Glück haben sich so zufällig unsere Wege gekreuzt. Eine der drei Mütter durfte ich auch ein bisschen besser

kennenlernen. Die 46-jährige Biljana hat eine aufregende Lebensgeschichte zu erzählen, aus der ich auch einiges für mich lernen durfte.

Wie sieht dein Leben im Moment aus?

Mein Mann Sreten, unsere 3 Kinder und ich leben In Podgorica. Luka ist 19 Jahre und studiert Statistik & Mathematik. Savo und Vanja gehen noch zur Schule. Er ist 16 und sie ist 13 Jahre alt. Mein Mann und ich haben unsere eigene IT-Firma. Wir sind stolz und glücklich darüber, aber es war nicht immer einfach. Doch seit 10 Jahren ist unser Unternehmen nun sehr erfolgreich. Wir haben 10 Mitarbeiter und unser Büro ist direkt im Stadtzentrum. Sreten leitet die Entwicklungsabteilung und ich kümmere mich um Sales und Marketing.

 

Wo hast du deinen Mann Sreten kennengelernt?

Ursprünglich komme ich aus Serbien. Ich und meine Zwillingsschwester wurden in Belgrad geboren. Mit 19 habe ich dort an der Universität Lehramt für Physik und Chemie zu studieren begonnen. Bereits im ersten Semester habe ich Sreten kennengelernt. Wie man so schön sagt, bei uns war es wirklich Liebe auf den ersten Blick.

 

Wie hat sich euer Leben während des Jugoslawienkriegs verändert?

Alles hat sich komplett dadurch geändert. Statt Studium hieß es plötzlich, dass wir arbeiten gehen müssen. Doch gleichzeitig hat Hyperinflation unsere Gehälter auf ein gefühltes Nichts schrumpfen lassen. Der Krieg war nun spürbar ausgebrochen.

Nichtsdestotrotz haben Sreten und ich in dieser Zeit versucht, unsere 20iger Jahre zu genießen. Wir hatten nichts, doch was wir hatten, haben wir geteilt. Für mich schien es unmöglich, dass sich die Zukunft besser entwickeln könnte. Doch Sretens Geduld und sein Optimismus, haben mir Halt gegeben.

 

Wie hat sich dieser Optimums gezeigt?

Während dieser Zeit haben wir an den Ideen für unser erstes Unternehmen gefeilt. Kurz darauf, haben wir sie auch Realität werden lassen. Sreten schrieb sein erstes Computerprogramm „Informer“ während wir beide noch im Hayat Hotel gearbeitet haben. Er als Accountant und ich im Sales Bereich. Diese Jobs hatten wir schlicht und einfach, um unsere Rechnungen bezahlen zu können. Bis 1998 hatten wir nämlich so gut wie nichts – kein Auto, keine anderen besonderen Dinge. Wir hatten nur unseren Computer, einen Drucker und viele Bücher & Schallplatten 😉

 

Warum seid ihr nach Podgorica gekommen?

Nachdem wir im Jahr 1995 nach 4-5 Jahren Beziehung geheiratet hatten (übrigens im Ostrog Kloster), habe ich im Verlauf des Jahres 1997 festgestellt, dass ich schwanger bin. Da wir in Belgrad um unser Leben kämpften, was die finanzielle Situationen anbelangt, waren wir gezwungen, zu Sretens Eltern zu ziehen.

Am 23. März 1998 kam dann Luka zur Welt. Unser Leben bekam eine neue Bedeutung, denn wir waren nun Eltern. Und nur wenige Monate später, standen wir auch wieder komplett auf eigenen Füßen und hatten unser eigenes Zuhause.

 

Wie hat sich euer Leben ab dem Moment des Eltern-Seins verändert?

Neben unserem Baby Luka, gab es auch das „Baby Selbständigkeit“, das wir auch aus unserem Wohnzimmer geführt haben. Sreten hat Tag und Nacht an seiner nächsten Software „Katalog propisa“ (eine Art Google für Recht) geschrieben, während ich ihm 100% Unterstützung als Ehefrau, Mutter und Sekretärin gegeben habe. 2001 bekamen wir dann unseren zweiten Buben und 2004 noch unsere Tochter.

Diese ersten 10 Jahre waren wirklich eine harte Zeit für uns. Wir standen unter viel Druck und Stress. Sreten hatte nie eine Pause in der Firma, da niemand ihn zu diesem Zeitpunkt ersetzen hätte können. Und ich war allein Zuhause mit den Kindern.

Toll war jedoch, dass wir viel Unterstützung und Freude von Familie & Freunde bekamen. Auch wenn es noch so ein harter Tag war, so oft hatten wir Freunde zu Besuch, die mit uns gelacht haben.

 

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Da ich aufgrund des Kriegs mein Studium nicht beenden konnte, hole ich das im Moment nach. Sreten hat bereits seinen Abschluss gemacht und mir fehlen nur noch zwei Prüfungen, um im Bereich von Marketing abzuschließen. Außerdem wünsche ich mir, dass weiterhin unsere Firma so gut läuft.

Doch am wichtigsten für mich ist zu sehen, wie wunderbar unsere Kinder sind. Sie entwickeln sich zu guten, sozialen und toleranten Menschen, was Sreten und ich als unseren größten Erfolg ansehen. Luka beginnt sein Studium übrigens in Belgrad, was eine schöne Bedeutung für uns hat, da diese Stadt so wichtig in Sretens und meinem Herzen ist.

Egal, wie unvorhergesehen sich das Leben vielleicht auch in Zukunft ändert, ich wünsche meiner Familie ein entspanntes und erfülltes Leben, voller Freundschaft, Reisen und viel Lachen!

biljana4

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s