Campingplatzleiterin & Bio-Gärtnerin – Senada (Kulen Vakuf / Bosnien)

Wieder einmal liegt eine Grenze vor uns. Doch dieses Mal fängt mein Herz zu pochen an. Wir sind immer noch „Mitten“ in Europa, aber vor dieser Grenze gibt es erstmals eine Schlange an Autos. Bisher haben wir uns im EU-Raum befunden, doch nun wartet die erste „Außengrenze“ auf uns. Wenige Meter vor uns beginnt Bosnien. Wir haben uns beide auf dieses Land gefreut, da wir einige tolle Menschen aus Bosnien kennen. Aber gleichzeitig sind wir nervös, da es auch das Gebiet in Europa ist, wo in junger Vergangenheit Krieg geherrscht hat. Und auch jetzt kämpft Bosnien mit Herausforderungen. Die Arbeitslosigkeit ist extrem hoch und von der arbeitenden Bevölkerung sind ca. 50% im Staatsdienst beschäftigt. Leider ist das Staatssystem noch sehr ineffizient und Korruption ist Gang und Gebe. Darum auch die Nervosität. Gedanken schwirren mir durch den Kopf. Wie wird das Land und die Leute auf uns wirken? Und vor allem wie werden wir von der Bevölkerung gesehen werden?

 

Alle Bedenken waren aber schnell vergessen als wir in Kulen Vakuf (Una Nationalpark) angekommen sind. Senada und Ado führen dort den wunderschönen Campingplatz Lav. Schon bei der Begrüßung gab es neben viel ehrlicher Herzlichkeit Schnaps, eine Bootstour zu viert und köstliche, typische Gemüsesuppe.

Vom ersten Tag an, wurden wir regelrecht in die Familie aufgenommen. Darum haben wir auch schnell beschlossen, dass wir länger als geplant bleiben würden. Nach 5 Tagen mit gemeinsamen Essen, Fischen, Ausflügen auf der Una und Kochen, fiel der Abschied sehr schwer. Die beiderseitigen Abschiedsgeschenke (wir sind jetzt glückliche Besitzer von ca. 5kg Kartoffeln, 10kg Äpfel, 1kg Käse,…) konnten über den Trennungsschmerz nicht wirklich hinwegtrösten und so flossen einige Tränen.

Solche Begegnungen machen das Reisen für mich aus, auch wenn es für einige Tage wirklich schmerzt. Jeder Abschied lässt mich auch die Menschen Zuhause in Österreich und der Schweiz vermissen. Aber die Dankbarkeit, dass ich Senada und Ado kennenlernen durfte überwiegt. Hvala lijepo!

Wie sieht dein Leben im Moment aus?

Von Anfang Mai bis Ende September führe ich den Campingplatz Lav. Mein Mann Ado und ich haben ihn vor 2 Jahren gegründet. Da Ado aber eigentlich in Kroatien arbeitet, kümmere ich mich meist alleine um alle Angelegenheiten. Es ist aber ein sehr schönes Leben, da ich viel in der Natur sein kann und immer neue Leute kennenlerne. Mit meinen 51 Jahren ist das auch eine tolle neue Herausforderung.

 

Wie ist es für dich, dass dein Mann den Großteil des Jahres in Kroatien arbeitet?

Natürlich sehr schade und ich vermisse ihn auch oft. In Bosnien ist es aber schwierig, Arbeit zu finden, daher bin ich auch froh, dass er eine gute Stelle in Kroatien hat. Er ist nicht so weit von der Grenze entfernt. Vor allem in Winter, wenn ich in unserem Haus in Bihac lebe, kann er mich ab und zu besuchen. Ansonsten genießen ich die 3 Wochen Urlaub, die Ado im Sommer auf unserem gemeinsamen Campingplatz verbringt.

 

Du leitest den Campingplatz fast immer alleine, klappt das gut? Macht dir das Freude?

Ja, mir gefällt diese Arbeit sehr gut. Die Una (Fluss) ist wunderschön und die Natur sehr unberührt. Ich habe auch einen Garten, in dem ich das Gemüse für uns pflanze und ernte. Es macht mich glücklich, so sehr mit der Natur verbunden zu sein. Natürlich gibt es auch mal mühsame Situationen, aber die Freude überwiegt auf jeden Fall.

 

Was machst du in den Wintermonaten?

Im Moment lebe ich von Oktober bis April in unserem Haus in Bihac. Es ist schön, dass mein Sohn auch in unserem Haus lebt, aber manchmal fehlt mir die konkrete Aufgabe. Ich koche und backe dann viel, was vielleicht nicht so gesund und von Vorteil ist. Ado und ich planen aber, in 2 Jahren, wenn er in Pension geht, ganzjährig nach Kulen Vakuf im Una Nationalpark zu ziehen. Wir freuen uns schon sehr auf diese Zeit.

 

Bevor ihr den Campingplatz gegründet habt, hast du gearbeitet? Wenn ja, als was?

Auch davor habe ich gearbeitet. Für 10 Jahre habe ich in eine Verkaufseinrichtung geleitet. Ich war zufrieden und dankbar, dass ich eine gute Arbeit habe. Jetzt merke ich jedoch, wie viel besser mir die Beschäftigung am Campingplatz gefällt. Nicht die ganze Zeit zu sitzen, sondern draußen zu sein und aktiv etwas zu tun, macht mich viel zufriedener.

 

Hattest du schon immer einen Garten?

Nein, jetzt in Kulen Vakuf habe ich zum ersten Mal die Möglichkeit. Ich wusste nicht wirklich, wie man Gemüse anbaut und auf was man achten muss. Mit Hilfe von Büchern und Tipps von Bekannten, klappt es mittlerweile sehr gut. Mir ist es wichtig, dass alles 100% Natur ist. Es dürfen keine Pestizide, oder künstliche Dünger an meine Pflänzchen. Manchmal muss ich dann geduldig sein und es passiert, dass das eine oder andere Gemüse nicht wächst. Aber am Ende des Tages bin ich stolz, dass bei mir pure Natur, ausschließlich Bio-Gemüse auf den Tisch kommt.

 

 

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