Weltenbummlerin und VWL-Doktorandin – Isabel (Notre Dame, IN/US)

Wie schnell die Zeit vergeht. Bereits seit 5 Wochen sind wir zurück in Europa und ich habe kein Interview durchgeführt bzw. keinen Blogeintrag geschrieben. Das Übliche, Zuhause hat man plötzlich wieder keine Zeit.
Indonesien war wirklich eine rundum schöne Erfahrung. Nicht nur einsame Strände, perfekte Wellen, Vulkanbesteigung und beeindruckende Tempel haben uns das Land lieben lernen, sondern vor allem die Menschen, haben es zu einer unvergesslichen Reise gemacht.
Nach ein paar Wochen in der Schweiz und Österreich, in denen wir die Zeit mit Freunden und Familie genossen haben, sind wir wieder on the road…

Eigentlich habe ich mich ja schon lange auf dieses Abenteuer und die Freiheit gefreut. Jetzt wo es plötzlich soweit ist, ist es gar nicht so einfach.
• Wohin wollen wir fahren?
• Wie lang sollen wir an einem Ort bleiben?
• Was wollen wir eigentlich machen?

Offene Fragen, die ich mir im Alltag Zuhause gewünscht habe, stellen nun eine Herausforderung dar. Schon beim Aufwachen beginnt der Tag in einer ungewohnten Situation, an einem unbekannten Ort. Zahlreiche „neue“ Entscheidungen müssen dann getroffen werden. Mir hat das in den ersten paar Tage viel Energie gekostet. Da ist der ersehnte Traum endlich Realität und bei mir hat sich Pflichtbewusstsein breit gemacht, dass ich ja diese einmalige Zeit in meinem Leben bestmöglich nutze. Naja, nach 2-3 Tagen hab ich beschlossen, dass das Blödsinn ist 😉

So habe ich auch mal gelernt, jeden Tag die Pläne des Vortags doch wieder über den Haufen zu schmeißen. Statt direkt nach Slowenien zu fahren, sind wir in unserer Mittagspause in Hohentauern (Österreich) an einem Fischteich hängen geblieben. Oder später in Slowenien war der auserkorene Schlafplatz im Nirgendwo, ein Parkplatz neben einem Friedhof. Scheinbar hatte dieser Ort sogar eine solche Anziehungskraft auf uns ausgeübt, dass wir im Endeffekt rund 18 Stunden dort verbracht haben.
Schön, wie mich nun solche Erfahrungen aus meiner Komfortzone schubsen.

Umso mehr habe ich mich über den unverhofften Besuch einer Freundin gefreut. Isa und ich haben vor ca. 3 Jahren eine WG in Basel geteilt. Von dort ging es für sie erst kurz zurück nach München, dann nach Kiel und nun schließlich in die USA. Dass sich unsere Wege ausgerechnet während unserer Reise kreuzen würden, hätten wir wohl beide nicht gedacht. Doch das Leben schreibt schließlich die schönsten Geschichten und so durften Luc und ich unsere ersten Gäste in unserem neuen Zuhause begrüßen. (Ich durfte sogar noch auskosten, dass die Österreicher ausnahmsweise in der Überzahl waren, da Isa’s Freund Max ebenfalls von dort kommt.)

Bildschirmfoto 2017-07-17 um 11.07.02

Wie sieht dein Leben im Moment aus?
Ich lebe seit knapp einem Jahr in Notre Dame, Indiana (Nähe Chicago). Dort an der Universität habe ich mein Doktorrat in Volkswirtschaftslehre begonnen. Die Forschung und Prüfungen halten mich ganz schön auf Trab, doch ich finde es spannend und es macht mir Spaß. Mein Freund Max, den ich davor bei einem einjährigen PhD-Programm in Kiel kennengelernt habe, lebt in Graz. Das stellt natürlich eine Herausforderung da. Aber ich habe schon einige nette Leute kennengelernt. Dank kostenlosem Sportangebot konnte ich hier sogar Tennis lernen, was ich schon immer probieren wollte.

Ist es nicht schwierig, diese Fernbeziehung aufrechtzuhalten?
Klar war es einfacher, als wir beide in Kiel gelebt haben. Aber bisher klappt es wirklich gut. Zum Glück haben wir beide die Möglichkeit, relativ flexibel zu arbeiten, so dass wir uns alle 6-8 Wochen bisher sehen konnten. Nur der Zeitunterschied ist oft mühsam. Man muss sich immer Termine zum Telefonieren ausmachen und für mich heißt das, meine Arbeit am Nachmittag zu unterbrechen, was manchmal nerven kann.
Da Max im gleichen Feld wie ich arbeitet, versucht er gerade, einen Post-Doc Stelle an meinem Institut zu bekommen. Das wäre natürlich perfekt. Dann wären wir für die nächsten 2 Jahre am gleichen Ort.

Wie sieht das bei euch in der weiteren Zukunft aus? Gibt es Pläne dauerhaft an einem Ort zu sein? Ihr seid beide sehr gut ausgebildet, wer wird sich nach wem richten?
Wie gesagt, versucht Max für die nächsten 2 Jahre zu mir zu kommen. Danach haben wir noch keine Pläne geschmiedet. Der Wunsch, eine dauerhafte gemeinsame Basis zu haben, ist ganz klar da. Wahrscheinlich werden wir nach den USA schauen, wer eine Fixanstellung bekommt und hoffen, dass der Zweite dort ebenfalls etwas Passendes findet. Die Zukunft wird es zeigen.

Wie geht es dir damit, dass du in den letzten 5 Jahren deinen Wohnsitz 4 Mal gewechselt hast?
Es ist spannend darauf zurückzublicken, dass es so viel Wechsel in diesen letzten Jahren gegeben hat. Ich habe mich in einem gewissen Maße über kurz oder lang an jedem dieser Orte Zuhause gefühlt. Gleichzeitig macht genau das, das Ganze schwierig. Immer wieder muss man sich von vertrauten Orten und liebgewonnenen Menschen verabschieden. Und wer packt schon gerne alle paar Monate seine Sachen? Das kann einem schon mal auf die Nerven gehen.

Was hast du dadurch gelernt?
Ich bin überzeugt, dass ich einiges an Erfahrung und Menschenkenntnis durch meine Wohnungs- und Standortwechsel gewonnen habe. In jeder neuen Stadt habe ich versucht, mich neu einzulassen und dort zu leben. Dadurch habe ich überall unheimlich tolle und interessante Leute kennenlernen dürfen. Außerdem habe ich herausgefunden, dass meine Wurzeln wirklich in meiner Heimat München liegen und man sich trotzdem überall Zuhause fühlen kann.

Wie ist es im Moment als Europäer in den USA zu leben?
An meinem Institut bin ich die einzige Europäerin bzw. an der Universität die einzige Deutsche. Das macht es natürlich nicht ganz einfach. Man merkt doch, dass die Mentalität der einerseits Nord- oder Südamerikaner bzw. andererseits der Asiaten anders ist. Sie weicht schon davon ab, wie ich sie in Europa erlebt habe und mit der ich groß geworden bin. Manchmal habe ich das Gefühl, dass meine Mentalität da irgendwo in der Mitte liegt, was gar nicht mal so schlecht ist.
Die derzeitige politische Situation in den USA spürt man bei uns am Campus kaum. Während der Wahlnacht hat man schon gemerkt, dass jeder mitgefiebert hat. Danach gab es aber zuerst eine große Ohnmacht. Niemand hier in meinem Umfeld hat damit gerechnet, dass die Wahl so ausgehen würde und jeder war geschockt. Nach ein paar Tagen nahm das Unileben jedoch wieder seinen normalen Lauf und jetzt hat man sich für die nächste Zeit mit der Situation arrangiert.

Was wünscht du dir für die Zukunft?
Für die Zukunft wünsche ich mir Freude und Zufriedenheit, egal wo ich am Ende meiner „Reise“ strande. Dabei möchte ich mit all den liebgewonnenen Freunden und meiner Familie in Kontakt sein und glücklich werden. Dank des heutigen Zeitalters ist dies aber einfacher möglich!

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