Frauen als Familienoberhäupter bei den Minangkabau – Fitria (Pekanbaru / Padang, Indonesien)

7 Jahre nicht gesehen – richtig nervös zapple ich herum, denn die Vorfreude und Spannung auf das Wiedersehen mit Fitria ist riesig. 2010 haben wir für einen Monat in Manila zusammengewohnt und gemeinsam in einem Sozialprojekt gearbeitet. Nun, fast 7 Jahre später, bin ich in ihrer Heimat.

Per Zufall ist unser heutiges Homestay in Padang (Padang Homestay von Banyu & Jenny) sogar um die Ecke von Fitria’s Elternhaus, mitten im lokalen, untouristischen Norden der Stadt. Ein schönes Zeichen und der ideale Start für Luc und mich in Sumatra. Nach 2 Tagen in Kuala Lumpur, wissen wir wieder einmal, dass wir einfach nicht die Großstadtmenschen sind. Alles war zu viel, zu hektisch und zu unpersönlich für uns.

Fitria ist gestern Nacht von ihrem derzeitigen Wohnort, Pekanbaru, losgefahren. 8 Stunden Fahrt nach einem langen Arbeitstag, nur um uns für 1-2 Tage zu sehen bzw. uns ihre Heimat zu zeigen. Unglaublich was sie auf sich nimmt. Überhaupt lernen wir hier wieder einmal, was Gastfreundlichkeit bedeutet. Die Indonesier wiegen nicht ab, ob sich ein Umweg für einen Besuch lohnt. Es wird nicht gefragt, ob man sich in der Mitte trifft, geschweige denn Kosten teilt. Wie wir später noch sehen werden, müssen wir jedes Mal darum kämpfen, dass wir etwas zahlen dürfen.

Und schon kommt sie an. Mit einem breiten Lächeln fallen wir uns in die Arme. Glücklich, dass es geklappt hat!

Während der nächsten 2 Tage werden wir unglaubliche Landschaften sehen – Reisterrassen, tiefe Täler, alleinstehende Hügel, massive Vulkane und einen wunderschönen See.

Dazwischen haben Fitria, Ira (ihre Schwester), Luc und ich viel Zeit im Auto, um uns zu unterhalten.

 

Wie sieht dein Leben momentan in Pekanbaru aus?

Mein Mann Doli und ich leben in einem Häuschen, jedoch sind wir nur am Wochenende gemeinsam dort. Doli arbeitet in einer kleinen Stadt 3h Fahrt von uns entfernt und wohnt daher während der Woche dort. Ich habe eine Arbeit bei einer Bank in Pekanbaru gefunden. Meine Aufgabe ist es Kunden für mittelgroße Kredite zu finden. Jeden Wochentag arbeite ich eigentlich von 8:00 bis 17:00 Uhr, jedoch ist es in diesem Job nicht möglich die Aufgabe innerhalb der normalen Arbeitszeit zu erledigen. Daher muss ich jeden Tag Überstunden machen und komme erst so um 20:00 Uhr nach Hause. Meistens bin ich dann so müde, dass ich nur noch etwas esse und dann schlafen gehe.

Am Wochenende werkt Doli am liebsten im Garten und ich koche. Manchmal treffen wir uns mit Freunden, schauen einen Film im Kino, oder unternehmen einen Ausflug.

 

Dein Leben dreht sich eigentlich 5 Tage die Woche fast nur um die Arbeit – wie gefällt sie dir?

Meine Arbeitskollegen sind nett und ich bin froh, etwas in Pekanbaru gefunden zu haben. Da mein Mann von dort ist, musste ich ihm nach unserer Hochzeit folgen. Vorher hatte ich bei der gleichen Bank eine andere Stelle in Jakarta. Unser Team hat die Performance dieser Bank für ganz Indonesien analysiert. Es war richtig spannend, das Prüfen liegt mir und ich musste nur selten Überstunden machen.

 

Wie war es für dich nach Pekanbaru zu kommen, deinem Mann zu folgen?

Ich liebe Doli und er liebt mich, das ist ein sehr guter Grund, um ihm zu folgen. Wir haben gemeinsam studiert, doch damals dachte ich noch nicht, dass ich ihn eines Tages heiraten werde (lacht). Mein Job in Jakarta hat besser zu mir gepasst, aber die Arbeitssituation kann sich auch wieder ändern.

 

Ist es üblich, dass die Frau dem Mann folgt?

Grundsätzlich in den meisten Teilen Indonesiens schon, doch in meiner eigentlichen Kultur – Minangkabau – war und ist es eigentlich umgekehrt. Die Frau ist das Oberhaupt der Familie und der Mann zieht ins Haus der Frau. Bei meinen Eltern wäre es so gewesen, doch sie haben beide als Lehrer in Padang gelebt und sind darum in die Stadt gezogen. Nichtsdestotrotz ist die Erbfolge in meiner Familie, dass meine Mutter das Haus meiner Großmutter erbt. Auch der Familienname geht von Mutter zu Tochter über. Übrigens sind die Minangs die größte matrilineale Gruppe auf der ganzen Welt.

Doli und ich mischen es etwas. Die großen Feiertage verbringen wir mit meiner Familie, da wir aufgrund unserer Arbeitssituation weit von ihnen entfernt sind.

 

Was macht die Minangs noch aus?

Spannend ist nicht nur, dass die Erbfolge in weiblicher Hand liegt, sondern dass die Minangs überdurchschnittlich erfolgreich sind. Ein Grund dafür ist, dass viel Wert auf Bildung gelegt wird.

In Hand der Männer liegen die Themen Politik und Religion (Islam), wobei auch hier die Frauen großes Mitspracherecht haben.

Ein weiterer Grund für den Erfolg der Minangs ist, dass viele Männer zum Arbeiten in andere Gegenden, oder Länder gehen.

Einige bedeutende Minangs waren zum Beispiel der Co-Founder der Republik Indonesien, oder der erste Präsident von Singapur.

 

Was wünscht du dir für die nahe Zukunft?

Vor wenigen Tagen ist mir eine Stelle in meiner Bank im Analysebereich angeboten worden. Das Beste daran ist noch, dass sie in Padang ist. Da meine Eltern nicht mehr die Jüngsten sind, freue ich mich, dass ich wieder bei ihnen leben können werde. Ich hoffe, dass auch Doli eine Stelle in Padang oder der Nähe findet und wir unsere Zukunft bei meiner Familie aufbauen.

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