Frauen empowern statt Karriere im Silicon Valley – Gayatri (San Francisco, US / Jakarta, Indonesien)

Wie die Zeit verfliegt. Seit mehr als einer Woche wird unser Leben von den brechenden Wellen bestimmt. Sie wecken uns am Morgen, wir reiten auf ihnen am Tag und sie beruhigen uns beim Einschlafen. Unser Leben in einer Bambushütte direkt am Meer ist einfach und gerade dadurch wunderschön. Morgens, um 5:30, wenn langsam der Tag anbricht, kann ich den Menschen bei ihrem geschäftigen Treiben zusehen. Männer wie Frauen machen sich auf den Weg, um ihrer täglichen Routine nachzugehen. Kinder gehen zur Schule, die ersten Warungs öffnen und in den Kochtöpfe beginnt es zu brodeln.

Ich genieße es, dass ich irgendwie Teil dieses gleichmäßigen Treibens geworden bin. Nichts wirkt hektisch, niemand scheint gestresst, sondern alle lächeln einen fröhlich an. Beiderseits versuchen wir Kontakt aufzunehmen – sie mit ein paar Englischphrasen und ich mit meinem bisher aufgeschnappten Bahasa.

Auch bei unseren täglichen Surfsessions treffen wir immer auf bekannte Gesichter. Wir kennen uns zwar erst seit wenigen Tagen, aber es fühlt sich viel länger an. Gemeinsam wird gejubelt, wenn ich mal eine Welle erwische und gescherzt, wenn es doch nicht klappt. Genau das macht das Reisen für uns aus. Das Gefühl ein neues, kleines Zuhause auf einem anderen Fleck Erde gefunden zu haben.

Schön ist auch, dass in so einem neuen Zuhause auch ganz viel Zeit für neue Menschen und Geschichten ist.

 

Gayatri und Allie haben wir natürlich auch dank der Wellen kennengelernt. Beide sind zwar aus Kalifornien, die 25-jährige Gayatri lebt jedoch bereits seit 6 Monaten in Jakarta. Gefühlt hat ihre Familie bzw. sie schon überall gelebt. Von ursprünglich Indien über Tansania und Japan bis in wenigen Monaten UK.

 

Wieso bist du nach Jakarta gekommen?

Eigentlich stand Jakarta gar nicht am Plan. Die Idee war zu reisen und Neues zu entdecken. Bevor ich nach Jakarta gekommen bin, war ich in Sri Lanka, in Indien Familie und Freunde besuchen und bin dann nach Bali auf eine Reisfarm, die sich mit Nachhaltigkeit und biologischem Anbau beschäftigt.

Da ich mich davor schon für Entwicklungshilfe interessiert habe, bin ich einfach mit verschiedenen Leuten in Kontakt gekommen. Irgendwann wurde mein Kontakt bis zu Amartha, bei denen ich nun arbeite, vermittelt.

 

Was hast du vor deiner Reise gemacht?

Meine Familie kommt ursprünglich aus Indien und meine Eltern haben in Tansania, Japan und Singapur gelebt. Ich bin jedoch schon in San Francisco aufgewachsen. Dort habe ich als Finanzanalystin gearbeitet. Ich habe Firmen des Silicon Valleys vor ihrem IPO bewertet. Es war spannend, mit welchen einfachen Ideen Start-Ups Apps entwickelt haben und damit Million gemacht haben.

 

Warum hast du dann diesen gut bezahlten Job mit Zukunftsperspektiven aufgegeben?

Auf meinen Reisen habe ich schon unterschiedliche Kulturen und Menschen kennengelernt. In Nigeria habe ich Leute kennengelernt, die auch tolle Ideen hätten, um Probleme vor Ort zu lösen. Im Vergleich jedoch zu den Start-Ups im Silicon Valley haben sie jedoch keinen Zugang zu dem nötigen Startkapital. Der Gedanke hat mich nicht mehr losgelassen. Ich wollte meine Zeit, meinen Ehrgeiz mit etwas füllen, dass einen Mehrwert bringt. Daher habe ich beim Angebot von Amartha nicht gezögert und die Chance ergriffen. Ich war sofort beeindruckt, was sie machen.

 

Was macht Amartha? Was beeindruckt dich daran?

Amartha hat als Mikrokreditvermittler gestartet und sich nun als Peer-to-Peer Kreditvermittler entwickelt. Das Ziel ist, kleine frauengeführte Geschäfte so zu entwicklen, dass sie kreditwürdig sind und auch das entsprechende Know-How haben. So ermöglichen sie nicht nur Unabhängigkeit für Kleinunternehmerinnen, sondern auch eine selber nachhaltig zu arbeiten.

Amartha ist nachhaltig aufgestellt. Ich finde es beeindruckend, dass sie nicht abhängig von Spenden sind. Sie vermitteln einen Mehrwert für beide Seiten. Dadurch habe ich das Gefühl, dass sie wirklich etwas bewegen können.

Außerdem bin ich die einzige Internationale im Team. Es ist wichtig, dass die Unterstützung aus dem eigenen Land stammt. Ideen, die von außen aufgestülpt werden, sind meist nicht passend für die lokale Kultur.

 

Warum unterstützt Amartha ausschließlich Frauen?

Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn einen Tag. Lehre einen Mann das Fischen und du ernährst ihn ein Leben lang.

Gib einer Frau einen Fisch und du ernährst sie einen Tag. Lehre einer Frau das Fischen und du ernährst eine ganze Familie ein Leben lang.

Dieser Gedanke treibt Amartha an. Frauen investieren ihre Profite in das Wohlsein der Familie. In den meist traditionellen Familienverhältnissen haben Frauen auch oft noch weniger Möglichkeiten und Rechte. Ein Beispiel, mehr als 60% der indonesischen Frauen haben nur (wenn überhaupt) ein paar Jahre Grundschule besucht. Amartha vermittelt nicht nur Kredite an sie, sondern auch das Wissen, wie man das Geld am besten einsetzt oder wie man mehr Kunden gewinnen kann.

Was ist deine Aufgabe bei Amartha?

Ich bin Impact Manager. Als ich dazu gestoßen bin, hat es diesen Bereich gar nicht gegeben. Das Wissen, ob die Programme etwas bewirken, ist für Amartha selber spannend. Viel wichtiger ist es jedoch bei der Suche um Unterstützung. Weitere Investoren und auch die Regierung sind gewillter etwas beizutragen, wenn es Fakten zur positiven Veränderung gibt.

 

Welchen Impact hat Amartha auf das Leben der Frauen?

Schon in den ersten Erhebungen – wir haben zum Beispiel das Einkommen vor einem Jahr mit dem jetzigen Einkommen der Frauen verglichen – hat eine wahnsinnige Steigerung gezeigt. Die Frauen verdienen im Durchschnitt 40 % mehr! Das bedeutet, dass sich vieles in den Familien verbessert hat. Sei es Toiletten im eigenen Haus, einen Fliesenboden, oder ein Kühlschrank. Diese Verbesserungen wirken sich auch nachhaltig auf die Gesundheit aus, da gewisse Quellen für Krankheitserreger eliminiert werden.

 

Was wünscht du dir für die Zukunft?

Weiterhin in einem Bereich zu arbeiten, wo ich merke, dass mein Tun einen Sinn hat. Daher ist mein nächster Schritt auch Development Policy in UK zu studieren. Ich freue mich darauf, mehr über diesen Bereich zu lernen, da ich auch jetzt das Gefühl habe, dass es hier noch große Hemmschwellen gibt.

Für die Frauen wünsche ich mir, dass sie weiterhin kleine Erfolge haben und so das Leben von vielen Familien verbessert wird. Ich hoffe, dass das Bewusstsein für nachhaltige Organisationen wie Amartha gesteigert wird. Spenden helfen natürlich in der Not, doch ich wünsche mir, dass Systeme entstehen, die den Menschen in Entwicklungsländern helfen, ihr Leben dauerhaft zu verbessern und das durch ihre eigene Kraft.

Wer Amartha unterstützen möchte kann das am besten direkt auf http://www.amartha.com!

 

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